Angst vor Ort

Exkursion nach Bitterfeld-Wolfen

17. Oktober 2010, 11:00 – 16:00 Uhr

Im Rahmen des Festivals Angst hat große Augen wiederholt Werkleitz die Exkursion Angst vor Ort nach Bitterfeld, die bereits Bestandteil des wissenschaftlichen Panels Angst im Gespräch im Frühjahr diesen Jahres war.„Nach dem ökologischen kam das soziale Desaster." So ein Kommentar in der 1991er Überarbeitung des Films Bitteres aus Bitterfeld. Der Ortsname Bitterfeld lässt sich, wie oft genug in den Medien geschehen, zugleich mit Umweltangst und Zukunftsangst in Verbindung bringen. Mit der Exkursion möchten wir Ihnen die Möglichkeit bieten, sich vor Ort und durch Gespräche mit ansässigen Akteuren selbst einen Eindruck über die Situation in Bitterfeld-Wolfen zu machen. Näheres zu den einzelnen Stationen der Exkursion erfahren Sie im nachstehenden Ablauf.

11:00 Uhr
Abfahrt in Halle (Saale)
Vorstellung und Gespräch zum Film „Bitteres aus Bitterfeld“ (von Rainer Hällfritzsch, Ulrike Hemberger und Margit Miosga, 1988) mit Hans Zimmermann (Umweltaktivist in der DDR) während der Busfahrt.
In der DDR unterlagen Umweltdaten seit 1982 der strengen Geheimhaltung. Einzelne Personen und Initiativen die dennoch die skandalösen Zustände der Umweltbelastung in der DDR öffentlich anprangerten, wurden kriminalisiert. Am 25. Juni 1988 konnte eine kleine Gruppe von Umweltaktivisten und bundesdeutschen Journalisten, für eine Reportage Bilder der katastrophalen Umweltschäden im Raum Bitterfeld mit der Kamera einfangen. Hans Zimmermann, war einer der Aktivisten des damaligen Filmprojektes Bitteres aus Bitterfeld. Er berichtet anhand von Filmausschnitten über die damaligen Gegebenheiten, stellt die Beweggründe der Aktion vor und spricht über seinen persönlichen Eindruck von der Situation nach 1989/90.

12:00 Uhr
naturkundliche Führung durch das Kreismuseum, anschließend Möglichkeit zum Mittagessen

13:00 Uhr
Besuch der Pilotanlage Safira (Sanierungsforschung in regional kontaminierten Aquiferen) mit Prof. Weiß vom DepartmentGrundwassersanierung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)
Das Grundwasser des Gebietes Bitterfeld-Wolfen ist in unbekannter Konzentration und Ausdehnung kontaminiert. Wasserbauten für die Industrie und Pumpanlagen zur Trockenlegung der abzubauenden Braunkohleflöze haben über Jahrzehnte natürliche Wasserwege der Mulde und Grundwasserverläufe in hohem Maße verändert. Durch die Stilllegung der Pumpen und durch das Fluten der Tagebaurestlöcher, ändern sich auch die Grundwasserbewegungen. Was passiert wenn kontaminiertes Wasser in Bewegung gerät, kann sich niemand vorstellen. Um etwaige Gefahren einzuschränken, bedarf es der Untersuchung von Möglichkeiten zur Senkung des Schadstoffgehalts.
Die begehbare SAFIRA-Anlage in Bitterfeld ist mit Pilot- Reaktorsystemen zum Testen von Verfahren zur Grundwassersanierung ausgestattet.

14:30 Uhr
Ausblick vom Bitterfelder Bogen im Gespräch mit Herrn Bernhardt, Geschäftsführer der BQP (Bitterfelder Qualifizierungs- und Projektierungsgesellschaft mbH)
Der Aussichtspunkt Bitterfelder Bogen symbolisiert als Landmarke das Szenario von der Transformation des Gebietes zu einem Forschungszentrum inmitten einer neu geschaffenen Natur- und Freizeitlandschaft. Die BQP wurde 1991 als Gesellschaft für Arbeitsförderung, Beschäftigung und Strukturentwicklung regional wirksam, sie ist zugleich Bestandteil und Förderer des Transformationsprozesses. Welchen Beitrag die Arbeitsbeschaffung- und Strukturanpassungmaßnahmen vermeintlich oder tatsächlich leisten konnten, inwiefern Arbeitsplatzsicherung und Umweltsanierung in Einklang zu bringen sind und inwieweit ein Szenario Realität werden kann, versuchen wir im Gespräch mit Herr Bernhardt zu erfahren.

15:15 Uhr
Rückfahrt nach Halle, Ankunft gegen 16:00 Uhr in Halle (Saale)
Änderungen vorbehalten.

 

Angst vor Ort
Exkursion nach Bitterfeld-Wolfen
Kosten: 10,-/7,- €
Die Teilnahme an der Exkursion ist aufgrund der limitierten Anzahl von Sitzplätzen im Bus auf 50 Personen begrenzt.
Ticketvorverkauf am Info-Counter im Festivalzentrum (Thalia Theater, 0345- 2040545).