Stau – Jetzt geht’s los

Thomas Heise, Germany 1992, 16mm, col, 82 min

„Im Roxy, einem Betonwürfel in Halle-Neustadt, hört man junge Menschen schreien: „Sieg Heil!“ und „Jetzt geht's los!“ Der Feind ist klar: Autonome, Ausländer, Zigeuner. Alles andere ist unklar: Alte Werte, Rechte, Pflichten, Vorbilder und Verbote sind umgeworfen und einer zweifelhaften Freiheit gewichen. Sie trinken an gegen die Ungewissheit, niemand will ein Verlierer sein. Und was wollen sie? Thomas Heise fragt nach. Ronny hat fünf Geschwister, er versucht den Dialog mit seinen Eltern, aber sie verstehen ihn nicht. Holli erzählt, wie er ein Rechter wurde und wie seine Mutter starb. Matthias ist der Jüngste, sein Traum wäre ein Harem und Konrad bäckt gern Kuchen. Das Klischee stimmt, und es stimmt nicht. Als Einzelpersonen sind sie nicht unsympathisch, in der Gruppe gefährlich.“ – oefilm.de

„Was dann zu sehen war, waren Bilder, die nicht schlagzeilentauglich sind. Das war nicht leicht zu schlucken für die, die sich für die guten Deutschen halten, denn natürlich ist es einfacher, das ganz Banale und Normale nicht zu sehen. Ein leiser Film, der mehr Einblick in die Neonaziszene vermittelt, als viele grelle Reportagen, die nur Klischees verhaftet sind und Feindbilder transportieren. Fast still war das Publikum im Babylon, 82 Minuten lang.“ – Anke Sterneborg, Süddeutsche Zeitung

„Das ist nicht die Realität. Das ist Propaganda.“ - Flugblatt, anonym.

„Die ersten Bilder zeigen ein brennendes Autowrack. Von den Tätern keine Spur und niemand ist in Sicht, um den Brand zu löschen. Aber in Heises Film bleibt die Gewalt nicht namenlos. Hier hat sie ein Gesicht, einen Namen, eine Geschichte.“ – Dietmar Göllner, Morgenpost

„Der Bewertungsausschuß hat mit drei zu einer Stimme die Erteilung eines Prädikats abgelehnt. Die Filmemacher arbeiten nicht mit den Darstellern auf Veränderungen hin.“ – Filmbewertungsstelle

„Je länger der Mann vom Film sich bei ihnen hält, sich ihnen aussetzt, ihnen zuhört, desto deutlicher wird ihnen selbst die Krücke, an der sie gehen; am Ende stehen ihre schutzlosen, unverstellten Gesichter, ihre leisen Rechtfertigungen, ihr Eingeständnis von Schuld. Der Film hinterläßt das verwirrende Gefühl, daß man viel zu wenig weiß von denen.“ – Martin Ahrends, Die Zeit