Mary Koszmary

Yael Bartana

Israel 2007, col, 11 min

Slawomir Sierakowski, ein junger polnischer Linksradikaler hält eine Rede in einem Warschauer Stadion, das in den Jahren der Polnischen Republik (1921-1939) ein beliebter Platz für politische Versammlungen war. Die Rede reflektiert die Ästhetik nationalistischer Propagandafilme, aber ihr Inhalt läuft nicht nur diesem Stil, sondern auch allem, worauf dieser Stil basiert, zuwider. Er spricht vor einem fast völlig leeren Stadion, wo nur wenige junge Leute seinen Worten lauschen. Sierakowski beschreibt die kulturellen und linguistischen Folgen der Auswanderung der Juden nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel und ruft die polnischen Juden auf, nach Polen zurückzukehren. Indem sie den Stil alter nationalistischer Propagandafilme zitiert, betont Bartana die Parallelen zwischen der ideologischen und der visuellen Strategie dieses Films, in dem die Rede als eine Form des Widerstands funktioniert. Letztendlich interessieren Bartana hier die der Rede innewohnenden Möglichkeiten (und Unmöglichkeiten) und die Fragen des Antisemitismus und Rassismus, die ein solcher Film aufwirft.